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Donnerstag, 5. Juli 2012, 21:56

Hallo FK 9 – Flieger Teil 1

Hallo FK 9 – Flieger

Unser Verein besitzt seit Juli 2012 eine FK 9-ELA mit 100 PS Rotax-Motor. Wir haben nun in einem Jahr die bei und üblichen 500 Stunden geflogen. Dabei erweist sie sich als fliegerisch sehr gutmütiges, schulungstaugliches und (nach Anpassungen) auch im F-Schlepp überzeugendes UL.


Die Verarbeitung dagegen ist für ein so erfolgreiches Flugzeug in der mittlerweile fünften Entwicklungsstufe erstaunlich schlecht und teilweise sehr gefährlich.
Daher veröffentliche ich als Technischer Leiter des Vereins die nachfolgende Mängelliste als persönlichen Erfahrungsbericht in mehreren UL-Foren, um
> auf potentielle Gefahren hinzuweisen
> mögliche zukünftige Unfälle zu verhindern
> Erfahrungen mit anderen FK 9-Fliegern auszutauschen
> Problemlösungen mit anderen FK 9-Fliegern auszutauschen

Diesem Bericht geht ein Schriftwechsel mit SPEYER (Ich nenne keinen Namen J) voraus, der im Original vorliegt. Zu jedem Sachverhalt sind Fotos vorhanden, die ich Interessierten gerne zusende. Die Liste ist nach dem Gefahrenpotential der einzelnen Punkte sortiert:

1. Schraubenabrisse an den Halteblechen des Hauptfahrwerks

Am Hauptfahrwerk ist nach 40 rechts und nach 70 Stunden links jeweils die vordere Schraube abgerissen, die das U-Blech der Schwinge fixiert. Das Fahrwerk hätte dabei nach hinten wegklappen können. Ein verbogenes Fahrwerkfixierblech war auch beim Vertrieb in Mainz zu bewundern. Das war ergo KEIN Einzelfall und trat bei unserer FK 9 auf beiden Seiten auf!
Mögliche Ursachen aus meiner Sicht:

1. schlechte Qualität der verwendeten Schrauben
2. konstruktiv zu dünn ausgelegt oder
nicht exakt gerade gebohrte Gewinde, mit Biegebelastung der Schrauben als Folge

Unsere Lösung
Da die abgebrochenen Gewindeenden im Sackloch in einem Fall nicht ausgedreht werden konnten, haben wir das Gewinde auf M10 Schrauben der gleichen Qualität aufgeschnitten. Seit gab es keine Zwischenfälle mehr.

Stellungnahme aus Speyer:
Wurden die Schrauben entsprechend den im Wartungsplan angegebenen Zyklen gewechselt? Wichtig ist dabei ein spielfreier Sitz der Hauptfahrwerksschwinge was regelmäßig im Rahmen der Vorflugkontrolle einfach geprüft werden kann. Es kann bei dauerhaftem Einsatz auf unebenen Pisten ggf. notwendig sein den Tauschzyklus der Befestigungsschrauben zu verkürzen. Natürlich wäre es denkbar hier konstruktiv einfach größere Verschraubungen vorzusehen. Andererseits stellen sollen eben diese Punkte den Schutz der Hauptstruktur bei Überlastung dar. Im Moment fliegen so ca. 800 FK Flugzeuge, viele davon auch in anderen Klassen (bis 580kg MTOW), so dass wir bislang keinen Anlass haben hier grundsätzliche Veränderungen vorzunehmen.

2. Beschädigung der Höherudersteuerstange durch das U-Blech der Trimmung

Bei einer Vorflugkontrolle nach 331 Stunden wurde festgestellt, dass die Höhenrudersteuerung schwerer geht und es Schleifgeräusche gibt. Nach Demontage der Sitzschale wurde eine erhebliche Menge Späne gefunden, denn das Alu-U-Blech der Trimmung hatte tiefe Riefen in die Steuerstange des Höhenruders geschliffen. Der Vertrieb aus Mainz reagierte schnell, kam mit einer neuen Steuerstange auf Kulanz vorbei und kümmerte sich um Schadensbegrenzung.

Lösung
Es wurde Material des Trimmungsblechs weggefeilt und die vordere Aufhängung der Trimmung (Stahl) „gerichtet“. Das Schleifen ist weg, allerdings kann nach dem „Richten“ nicht mehr der volle Höhenruderweg getrimmt werden.

Stellungnahme aus Speyer:

Wir haben nach Bekanntwerden des Problems eine ganze Reihe von FK9s daraufhin inspiziert, jedoch ohne Befund. Ein Schleifen der Höhenruderstange sollte prinzipiell durch die zugehörigen Reibgeräusche erkennbar sein. Aus diesen Gründen halten wir eine TM für nicht gerechtfertigt.

3. Fehlauslösungen der F-Schleppkupplung

Während zweier F-Schlepps kam es zur selbständigen Fehlauslösung der Kupplung, die in einem Fall von einem erfahrenen Segelfluglehrer alles Können abverlangte und zum Verlust eines Schleppseils führten. Auch hier kam der Vertrieb aus Mainz sofort und bot seine private Kupplung als Überbrückung an. Beim Ausbau der Kupplung wurde festgestellt, dass die SZD Kupplung durch eine zu lange Schraube
(Fixierung des Kupplungsarms) nicht vollständig schließen konnte. Die Einstellung des Kupplungsarms findet erst bei der Montage der FK 9 statt und trifft m.E. nicht den Hersteller der Kupplung.


Lösung
Seit dem Kürzen der Schraube kann die Kupplung wieder vollständig schließen, löst seitdem ordnungsgemäß aus und es gab keine weiteren Probleme.

Stellungnahme aus Speyer:
Es handelt sich bei der SZD Kupplung um ein zertifiziertes Luftfahrt Teil welches zugekauft wird. Im Moment prüfen wir weitere FK9s mit SZD Kupplungen um zu sehen ob es sich um ein grundsätzliches Problem handeln könnte.

4. Verrutschen der Rückenlehne aus der unteren Aufhängung

Die Sitzschale, in der die Rückenlehnen unten gelagert sind, sind zu weich und die Bolzen der Lehnen sind zu kurz. Daher kam es mehrfach zu gefährlichem Verrutschen der Lehne im Start.
Diese seitlich angebrachten Bolzen dienen der horizontalen Verstellung der Rückenlehnen, indem sie in zwei kaskadenförmigen Schienen in unterschiedlichen Positionen eingerastet werden können. Die Bolzen können aus zwei Gründen aus den Schienen herausrutschen:

1. Sie sind zu kurz und haben damit seitliches Spiel
2. Das Material der Sitzschale ist zu weich und gibt zu schnell nach.

Lösung
Die Sitzwanne wurde durch uns verstärkt und die Aluminiumkaskaden, die die Rückenlehnenbolzen aufnehmen, wurden auf jeder Seite 3 mm nach innen verlegt. Das Problem ist damit weitgehend behoben. In der Fertigung wäre es einfach mit ca. 5 mm längeren Bolzen der Rückenlehnen zu beseitigen.

Stellungnahme aus Speyer:
Die Sitzlehne kann in den Kaskaden eigentlich nur verrutschen wenn sie nach oben angehoben wird. Natürlich muss der Abstand der Rastnuten im Lehnenteil zum Abstand der Kaskaden passen. Bitte um Info zu dem gemessenen Abstand der Nuten zum Abstand.

5. Schwingungsrisse im Auspuff

Nach 360 Stunden traten im Flug erhebliche Risse im Auspuff im Übergang vom Topf zum Endrohr auf. Nach dem Flug wurden Überhitzungsschäden an der Zelle festgestellt. Diese Überhitzungsschäden an gleicher Stelle habe ich bereits bei mehreren FK 9 gesehen.

Lösung
Der Auspuff wurde geschweißt und ein zusätzliches Stützrohr angeschweißt. Bisher hält die Konstruktion. Trotzdem schwingt das Endrohr des Auspuffs unverhältnismäßig stark, ein nächster Riss ist abzusehen.

Stellungnahme aus Speyer:

Der verwendete Auspuff ist ein original Rotax Teil und wird eben so auch in vielen anderen Leichtflugzeugen oder Motorseglern verwendet. Bitte um Info wo genau Rissbildung entstanden ist damit wir mit dem Lieferant Rücksprache halten können....... weiter mit Teil2

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Freitag, 25. November 2016, 08:55

Ich glaube zu wissen das Punkt 1 und 5 bei uns auch der Fall war.
Müsste mal nachfragen...

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